Rennberichte

18.06.2017 - Kaunertaler Gletscherkaiser, Rennbericht von Dr. Erich Hammerschmidt

Kaiserwetter beim „Gletscherkaiser“ im Kaunertal! Es gibt in den Alpen nicht viele mit dem Rennrad zu befahrende Straßen, die auf Höhen von über 2700m führen. Am bekanntesten ist sicher die Stilfser Joch Passstraße mit 2757m. Sie ist damit aber nur 7m höher als die Stichstraße zum Gletscherskigebiet am Ende des Kaunertals. Diese Herausforderung verbunden mit dem Reiz des Neuen, verpackt in ein kurzes, aber anspruchsvolles Radrennen waren Anlass genug zur erstmaligen Teilnahme. Denn trotz häufigen Befahrens der Inntalstraße von Landeck Richtung Reschenpass oder ins Unterengadin mit Auto, Motorrad und auch Rennrad in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten hatte ich bislang in Prutz immer nur den Abzweig ins Kaunertal zu Kenntnis genommen und den Blick auf das Gletscherskigebiet kannte ich nur vom morgendlichen Alpenpanorama in 3SAT.

Der Start in Feichten (1278m) hat eher symbolischen Charakter. Denn zum Einrollen, das Warmfahren sollte man zuvor erledigt haben, geht’s erst einmal 11km neutralisiert nur bergab nach Prutz im Inntal. Nun folgen 40 harte Rennkilometer. Naja, mit 2150 Hm vor der Brust bis ins Ziel zieht sich das Feld doch sehr schnell auseinander, um am Ende eher zum Bergzeitfahren zu mutieren. Doch erfreulicherweise ist der Anstieg keineswegs monoton was die Steigungsprozente angeht. Immer wieder folgen auf harte 13% Steigung flachere Passagen und sogar kurze Abfahrten, die einen zumindest ein paar Sekunden verschnaufen lassen. Wohl dem, der hier in einer kleinen Gruppe ein bisschen Windschatten findet. Das gilt insbesondere für die fast flachen rund 5km entlang des Gepatsch Stausees, bevor die letzten 1000Hm in Angriff zu nehmen sind. Wer zur Motivation keinen Vordermann oder -frau mehr hat, kann die 23 nummerierten Kehren rückwärts zählen oder mit dem häufigen Blick auf den Höhenmesser am Tacho sich daran erfreuen, dass es nur noch x00Hm bis ins Ziel sind. Leider ändert dies nichts daran, dass die eigene Leistung nicht nur mit der Zeit, sondern auch mit der Höhe und der dünner werdenden Luft nicht besser wird. Über einen Zielsprit brauchte ich mir keine Gedanken machen. Knapp vor mir zwei junge Frauen und mit Blick nach hinten war niemand in Sichtweite.

Lohn der Anstrengung nach 2:42:34 : ein 2.Platz in der AK und ein origineller Pokal! Und eine rasante Genussabfahrt zurück zum Start mit herrlichen Ausblicken in die alpine Landschaft!

Ein lobendes Wort hat auch der Veranstalter verdient. Ob Anmeldung, Gepäcktransport, Verpflegungsstationen, Siegerehrung, Pasta und Getränk oder Bustransfer. Alles war gut organisiert und das bei nur 25€ Startgebühr. Also nichts wie hin im nächsten Jahr! Kaiserwetter incl. ist versprochen.

 

Erich

11.06.2017 - Rund um Köln, Rennbericht von Kati Leiss-Müller

Mein erstes Rennen

 

Nach nun schon einigen Jahren Vereinszugehörigkeit und viel viel Training sollte es dieses Jahr zum ersten Mal soweit sein: Ich hatte einen Startplatz bei „Rund um Köln“. Die Aufregung war groß und an langen Schlaf die Nacht zuvor nicht zu denken. Würde ich es schaffen? Musste ich am Kopfsteinpflaster absteigen? Wie sieht der Besenwagen aus – kann ich ihm davon fahren?

Das Müsli war am Sonntag kaum herunter zu bekommen und mein Mann und ich machten uns mit einem gemeinsamen Freund gegen 09.00 Uhr morgens auf in Richtung Köln, natürlich auf dem Rad. In Köln angekommen wäre ich am liebsten rasch wieder davongefahren, aber ein Zurück wäre doch blöd gewesen. Da ich meinen Startplatz einer Ausschreibung zu verdanken hatte, konnte ich mir – neben ein paar unwesentlichen Kleinigkeiten -  aussuchen, in welchem Block ich starten wollte, denn der „VIP-Block“ war zwischen A und Bn vorgesehen. Wir wählten wir letzte Drittel des C-Blocks aus.

 

Nur noch wenige Minuten… und es rollte los. So auch ich. Und was dann geschah kann ich kaum in Worte fassen. Das Rollen wurde zum Fahren und   es ging immer schneller voran. Die Startlinie längst hinter mir gelassen, nahm ich links und rechts überall erfreute Menschen wahr, die mich anfeuerten. Was für ein Gefühl. Die Straße gehörte mir. Kein Auto und keine rote Ampel musste ich beachten. Die Gefahrenstellen (Rheinufertunnel, querende Straßenbahnschienen und enge Kreisverkehre) eine nach der anderen hinter mir lassend kam auch bald der erste Anstieg. Und der machte sogar Spaß. Ich genoss so langsam aber sicher die riesengroße „Party“, die sich rund um Köln abspielte. Die Geraden und Abfahrten zum Ausgleich genutzt, kam auch rasch die berühmte und berüchtigte „Wand von Sand“ (der Zweite Anstieg), die ich aber schon seit Jahren kannte – gleichwohl hatte ich natürlich Respekt vor der der „fiesen“ Kuppe. Es  muss eine große Gruppe gegeben haben, die mich anfeuerte – ich hörte sie jedoch nicht. Ich war eins mit dem Berg. Aus dem Sattel kam ich oben an und genoss auch die nächste Abfahrt – und die Hälfte war schon geschafft. Nun noch Schloss Bensberg - und dort war es rappelvoll. Viele viele Vereinskolleginnen und -kollegen standen am Rande und feuerten an, unzählige Menschen standen rund um das Schloss und feierten - es war ein Gaudi. Auch das Kopfsteinpflaster wie in Trance hinter mir gelassen konnte nun langsam was für den Schnitt getan werden ;-)

 

Und so ging es die letzten 15 Kilometer nach Köln in relativ zügigem Tempo gerade aus. Ein Highlight noch die Severinsbrücke und deren Abfahrt, die breiten Straßen von Autos leergefegt – der Blick auf Köln, den Dom, die Sonne -  die Zeit stand still - und dann war ich schon im Ziel.

 

So schnell ging es vorbei – so viele Wochen habe ich mich darauf vorbereitet und Schmetterlinge im Bauch gehabt – so glücklich und stolz bin ich mein erstes Rennen gemeistert zu haben. Eine ganz wunderbare Erfahrung bin ich nun reicher. In einer Zeit von 2 Stunden und 22 Minuten kam ich glücklich ins Ziel.

Ich danke meiner Eskorte für die Unterstützung während des Rennens – ich weiß, Ihr seid nur für mich so langsam gefahren. Ich danke allen Trainern der Staubwolke und auch den Mitgliedern für die gute Vorbereitung, die, die es wussten und die, die es bis kurz vor dem Start noch nicht wussten. Und wer weiß... ob es das letzte Rennen für mich war…..

 

Und Ihr da draußen, die Ihr überlegt, ob Ihr Euch trauen sollt – einfach machen – es lohnt sich!!!

 

Katharina Leiss-Müller, Juni 2017